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Weibsbilder –Frauen schreiben Geschichte

Das populäre Geschichtsbild ist noch immer eine Geschichte des Mannes: Der Mann als Krieger, der Mann als Herrscher, der Mann als Politiker, der Mann als Revolutionär, der Mann als Leistungsträger, der Mann als Kunst-und Kulturschaffender. Diese Vorstellungen sind in den Köpfen der Gesellschaft fest verankert. Befördert wird das durch Hollywood, historisierende Events wie Mittelaltermärkte, und tatsächlich auch viele Reenactment-Veranstaltungen durch die Epochen, bei denen Kampfhandlungen und Waffen-oder Rüstungsschauen immer einen besonderen Anziehungspunkt darstellen. Die Geschichte der Frau hingegen scheint im allgemeinen Geschichtsbewusstsein erst im frühen 20. Jahrhundert mit dem Kampf um Gleichberechtigung zu beginnen –und der ist freilich noch nicht abgeschlossen.

Sonja als Bürgerin des 14. Jahrhunderts

Doch was ist mit den Jahrzehnten und Jahrhunderten davor? Konnten Frauen auch damals schon Geschichte schreiben? Und wenn ja: Wie? Diesen Fragen widmet sich die Multi-Period-Veranstaltung „Weibsbilder. Frauen schreiben Geschichte“, die ersteaus der Reihe „Marginalia? Geschichte zwischen den Zeilen“, die vom 18.–19. Juli 2020 im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen stattfinden wird. Hierfür suchen wir engagierte LivingHistory -DarstellerInnen, die mit uns gemeinsam Aspekte weiblichen Lebens durch die Jahrhundertepräsentieren–auch Männer sind ausdrücklich eingeladen!

Das Dachkonzept „Marginalia?“ –Was ist das überhaupt?

Der Begriff „Marginalia“ stammt aus der Buchwissenschaft um beschreibt ganz allgemein Anmerkungen, Notizen und sogar Zeichnungen an den Rändern von Büchern oder Dokumenten. Sie sind damit im wahrsten Sinne „randständig“–aber keineswegs unbedeutend! Dies ist genau das, worauf die Veranstaltungsreise „Marginalia“ abzielt. Anhand einer jährlich neu gewähltenFragestellung möchten wir mit gemeinsam mit Euch

  • qualitativ hochwertigem und wissenschaftsnahem Living History eine Plattform bieten–für Austausch und Diskussion über die Epochengrenzen hinweg
  • einen multiepochalen Think-Tank entwickeln, um vermeintlich randständige Themen in der Geschichte und im Living History in den Vordergrund zu holen
  • und damit aktuellen und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen einen Raum im Living History geben
  • auf der Veranstaltung die Ergebnisse unsererArbeit gemeinsam der Öffentlichkeit präsentieren
  • und daraus neue Impulse für weiterführende Fragen entwickeln.
Agnes als Frau aus dem Neolithikum

Dabei ist „Marginalia?“ viel mehr als eine herkömmliche Veranstaltung, nämlich

  • ein Langzeit-Projekt,an dem alle DarstellerInnen gleichberechtigt arbeiten können, sich aktiv einbringen können, mit-und voneinander lernen können
  • ein Workshop,in demwir gemeinsam eine Fragestellung aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zusammen erarbeitenundsie kritisch hinterfragen können, und zu der jeder mit seinem ganz eigenen Blickwinkel etwas beisteuern kann
  • ein Ergebnis:Anders als bei anderen Veranstaltungenwollen wir nach der Veranstaltung nicht ohne Ergebnis auseinandergehen. Wie dieses Ergebnis aussieht, ist völlig offen. Aber wir möchten, dass es sichtbar wird.Und dafür sind wir auf Eure Mithilfe angewiesen

Die Veranstaltung selbst sowie die dort gezeigten Displays und Ergebnisse sollen begleitend in einem Weblog präsentiert, beworbenund nachhaltig nutzbar gemacht werden;hierbei wären wir natürlich auf die Begeisterung und Mithilfe der DarstellerInnen angewiesen.

Die Veranstaltung soll auf jährlicher Basis zu wechselnden Fragestellungen und unterschiedlichsten Aspekten des historischen Lebens wiederholt werden.Den Auftakt bildet 2020 „Weibsbilder. Frauen schreiben Geschichte“.

Ann, Anja & Laura als Frauen des 13. Jahrhunderts

Themenstellung 2020: „Weibsbilder“

Die Rolle der Frau in der Geschichte scheint hinter der des Mannes meistens zurückzustehen. Immer noch sind es Männer, die im allgemeinen Geschichtsbewusstsein das Heft in der Hand haben. Das gilt auch für viele Living History-Veranstaltungen, wo die Rolle der Frau sich oft auf wenige Darstellungsbereichezu beschränken scheint.

Mit dieser Veranstaltung wollen wir erstmals einen Gesamtüberblick bieten über die Möglichkeiten (und die Grenzen) für Frauen, Geschichte zu schreiben. Verschiedene Themenkomplexe sollen dabei angesprochen werden: Was macht die Frau überhaupt zur Frau? Wie wird das nachaußen hin ausgedrückt, beispielsweise durch Kleidung und Haartracht? Was ist ihre gesellschaftliche Stellung und welche Karrierewege stehen ihr offen? Welche Innovationen und gesellschaftlichen Entwicklungen treiben Frauen voran?

Alessandra als Frau des frühen 19. Jahrhunderts


Daneben interessieren uns auch die Rollen, die die Frau geschlechtsbedingt oder über die Geschlechtergrenzen hinweg einnehmen konnte: Welche Rollen, wie beispielsweise die Mutterschaft, stehen überhaupt nur Frauen offen? Wo überschreiten Frauen Geschlechtergrenzen und werden in klassischen „Männerrollen“ aktiv? Und wie beeinflusst all das bis heute unseren Blick auf die Frau? –besonders interessant für unseren Kontext ist hierbei natürlich auch die Rolle der Frau in den heutigen historisch arbeitenden Wissenschaften und demLiving History.

Aspekte:

Die Darstellungen:

Zentrale Aspekte, die gezeigt und dargestellt werden sollen, sind natürlichHaushalt, Familieund Kindererziehung durch die Epochen, bildeten sie doch den Dreh-und Angelpunktweiblichen Alltagslebens.Themen wie

  • die rechtliche Stellung der Frau,
  • Religiosität und geistliche Funktionenbis hin zu heiligen Frauen,
  • Mädchenerziehung und Frauenbildung,
  • Sexualität und Beziehung,
  • Schwangerschaft und Geburt,
  • Medizin, Körperhygiene und Kosmetik,
  • Kleidung und Schmuck könnten hier die roten Fäden durch alle dargestellten Epochen bilden.
Mai Britt in Unterwäsche des 15. Jahrhunderts

Wir möchten aber auch weibliche Lebensentwürfe präsentieren, die abseits der Norm stattfanden.

  • Weibliches Handwerk, Frauenberufe und Frauenzünfte,
  • Frauen in Politik und Herrschaftspositionen,
  • Crossdressing, Homosexualität und Transsexualitä
  • Frauen im Kriegs-und Kampfgeschehen
  • Frauen in Außenseiterpositionen (Armenwesen, Unterhaltungsindustrie, Prostitution)
  • Oder außergewöhnliche Frauengestalten der Geschichtesollen ebenso einen Platz in diesem Projekt finden.

Der Zeitrahmen Eurer Darstellungen kann sich dabei vom Mesolithikum bis 1950 dehnen und diverse Herkunftsregionen und Kulturräume umfassen. Die Auswahl der einzelnen zu vermittelnden Themen möchten wir Euch überlassen. Selbstverständlich sind auch männliche Darsteller herzlich willkommen!

Ann als Sekretärin der 1940er Jahre Urheberrecht: Jens Schmidt

Methodik und Umsetzung:

Eine Mischung an Vermittlungsmethoden soll bei dieser Veranstaltung den BesucherInnen ein möglichst umfassendes Erlebnis bieten. Dabei liegt es in der Hand von euch als DarstellerInnen, welche Methodik sich für euer Projekt am besten anbietet. Beispiele können sein:

  • Handwerksdarbietungen aus unterschiedlichen Epochen, beispielsweise aus unterschiedlichen Bereichen der Textilverarbeitung
  • Schautische mit Gegenständen des alltäglichen oder gar nicht so alltäglichen Bedarfs
  • Küchenbetrieb an den Feuerstellen des Freilichtmuseums und das Nachkochen historischer Rezepte
  • Showand Tell-Programmpunkte wie Modenschauen oder Frisiervorführungen
  • Belebungsaktivitäten wie Wäsche waschen, Hausputz, Kinderbetreuung, Spiel und Freizeitaktivitäten
  • First Person-Vorführungen bzw. -Rollenspiel in kleinen kommentierten Einheiten, in denenszenisch Ausschnitte aus dem Alltagsleben präsentiert werden
  • Musik-und Tanzvorführungen
Ann als Wäscherin des 13. Jahrhunderts

Die einzelnen Aspekte könnten dabei thematisch oder nach Zeitschnitten sortiert auf dem Gelände organisiert werden. Das wäre nach den Gegebenheiten vor Ort zu arrangieren.Um BesucherInnen die Orientierung auf der Veranstaltung zu erleichtern, wird es außerdem moderne Schautafeln am Eingang und an den jeweiligen Ständen und Stationen geben. Sie sollen einleitend ein paar einführendeErstinformationen bieten, die einzelnen Bereiche übergreifend verknüpfen und Eure Darbietungenregional und zeitlichverorten.

Das Begleitprogramm:

Neben EurenDarstellungen und Displays der Living Historians soll es auch die Möglichkeit für Workshopeinheiten und Vorträgegeben, die sowohl von Euch als auch interessierten Gästen besucht werden könnenund bei denen ihr auch Vortragende sein sollt. Dies käme besonders der Vermittlung von theoretischen Inhalten sehr zu Gute, die darstellerisch nur schwer umgesetzt werden können. Hier sollt auch Ihr die Möglichkeit bekommen, Euch aktiv einzubringen und Einblicke in Eure Darstellungen zu geben.

Als Themen sind bisher angedacht:

  • Weibsbilder: Frauendarstellungen und Schönheitsideale durch die Epochen
  • Sexualität, Geburt und Menstruation
  • Gleichberechtigung? Die rechtliche Stellung der Frau durch die Epochen
  • Arbeitende Frauen
  • Frauen unter Waffen
  • der Wirkungsbereich der Frau. Haushalt, Familie und Kind
  • Typische oder untypische Handwerke (Stichwort Frauenzünfte etc.)
  • Frauen in den historischen Wissenschaften und im Living History

Die Themenvorschläge sind bewusst offen formuliert, sodass sie Raum für Eure Perspektiven und Ideen bieten. Um einen möglichst breiten Ansatz aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu bekommen, würden wir uns freuen, wenn unter euch engagierte TeilnehmerInnen sind, die –allein oder im Team -im Vorfeld eine Präsentation vorbereiten. Digitale Präsentationstechnik ist vorhanden.

Darüber hinaus wird es natürlich auch ein museumspädagogisches Programmgeben, das dankenswerterweise von den Museumsmitarbeitern durchgeführt wird.Auch hier sind thematische Anknüpfungspunkte u.U. möglich.Wenn Ihr Ideen habt, tragt sie gerne an uns heran.

Was Euch geboten wird:

•eine Plattform für wissenschaftsnahes Living History:Was alle Beteiligten verbindet, ist das Interesse an einer qualitativ hochwertigenDarstellung und einem kritischen Umgang mit Geschichte und Quellen. Hier möchten wir Euchdie Möglichkeitbieten, auch gesellschaftlich relevante Fragestellungen in einem wissenschaftsnahen Umfeld zu reflektieren.

•Austausch mit Gleichgesinnten:Mit-und voneinander lernen, gemeinsam wachsen –von nichts profitiert man mehr als von dem kreativen Austausch mit Gleichgesinnten!Die multiepochale Ausrichtung öffnet uns dabei auch den Blick über den eigenen „Tellerrand“ hinaus. Eine Plattform für diesen Austausch wollen wir Euch bereits im Vorfeld zur Veranstaltung bieten, sodass Ihr gemeinsam Projekte für die Veranstaltung entwickeln könnt.Andrea Koppel –©Thorsten Schillo Lydia ValandSilvia UngerechtsMarginalia? Geschichte zwischen den Zeilen

•mediale Präsenz:abgesehen von dem Auftritt auf der Veranstaltungund die Bewerbung im Vorfeld, bieten wir euch auch die Möglichkeit, mit eigenen Themenbeiträgen auf dem Blog des Museums und der Marginalia-Website präsent zu werden. Dort wird esauch Platz geben, um eure Darstellungen vorzustellen. So bieten wir euch eine gebündelte Plattform, um auch über eure eigenen Websites/Blogs hinaus sichtbar zu werden.

•ein langfristiges Ergebnis: Wir hoffen und bauen auf eine langfristige Zusammenarbeit. Sowohl mit Standort(en) als auch mit Darsteller/innen oder Gruppen.

•eine großartige Kulisse:das Freilichtmuseum Oerlinghausen zeigt auf 1,5 ha Grundfläche in sechs Zeitschnitten rekonstruierte Gebäude vom Mesolithikum bis in das Frühmittelalter. Alle Gebäude sind vollständig bespielbar, die Feuerstellen benutzbar, und sollen gerne in Eure Darstellungen mit einbezogen werden. Darüber hinaus gibt es ausreichend Freiflächen, um Stände und ggf. Zelte aufzustellen. Außerdem haben wir tierische Mitbewohner in Form von Wollschweinen und Ziegen.

•Raum zur Mitgestaltung:Jeder ist herzlich eingeladen, sich aktiv einzubringen! Habt Ihr Ideen für Vortragsthemen? Vorschläge für Blogartikel oder interessante neue Vermittlungsformen? Was immer Ihr einbringt, wir werden versuchen, Euren Ideen einen Raum zu geben.

•eine freundliche und engagierte Orga:Sowohl die ehrenamtlichen OrganisatorInnen als auch die MuseumsmitarbeiterInnen sind sehr engagiert und möchten gemeinsam mit Euch diese Veranstaltung zu einem großen Erfolg machen, der qualitativ hochwertiges Living History über die sonst üblichen Kanäle (Facebook, Instagram und Co.) hinaus sichtbar macht. Das Museum Oerlinghausen arbeitet seit ca. 1996 erfolgreich mit verschiedenen Gruppierungen (wie Larper, Reenactor, LHler) zusammen und ist mit der Arbeit mit Darstellern mehr als vertraut.

•alles für Euer Wohl und ein zufriedenstellendes Wochenende:das Museum stellt uns überdachte Schlafplätze in den rekonstruierten Gebäuden (Stroh sowie einige ausleihbare Strohsäcke sind vorhanden) und sanitäre Anlagen (inkl. einerDusche). Das Gelände ist für Auf-und Abbau befahrbar, gute Parkmöglichkeiten sind gewährleistet. Feuerholz ist ebenfalls in ausreichender Menge vorhanden. Darüber hinaus übernimmt das Museum die Verpflegung, inkl. Morgenkaffee (oder -tee).

Was wir von Euch erwarten:

•anspruchsvolles Living History:Die Arbeit mit historischen Quellen und archäologischen und geschichtswissenschaftlichen Publikationen sollte für alle TeilnehmerInnen eine Selbstverständlichkeit sein.

•ein kreatives Projekt:Wir heißen außergewöhnliche Darstellungen herzlich willkommen und laden dazu ein, sich für dieses Projekt mit neuen Themenbereichen und Ideen zu beschäftigen und neue Aspekte der eigenen Darstellung kennen zu lernen, die idealerweise Anknüpfungspunkte in der oben genannten Fragestellung haben.

•aktives Engagement:Die Veranstaltungsteht und fällt mit Euch und Eurer Bereitschaft, Euch aktiv einzubringen. Das meint zum einen die Bereitschaft, mit-und voneinander zu lernen, Euch auch über Euer Darstellungs-Repertoire hinausauf das Veranstaltungsthema einzulassen, Euch an Vorträgen zu beteiligen, mit zu bloggen etc.pp.

•fairer Umgang auf Augenhöhe:Uns alle verbindet die gleiche Motivation. Lebendige Geschichte interessant und vielschichtig darzustellen und zu vermitteln. Das schaffen wir nur, wenn wir einen fairen und freundlichen Umgang miteinander pflegen. Wir möchten konstruktive Diskussion ermöglichen, aber vor allem soll das Augenmerk auf gegenseitiger Unterstützung und Bereicherung liegen? Geschichte zwischen den Zeilen8Was wir von Euch erwarten:

•anspruchsvolles Living History:Die Arbeit mit historischen Quellen und archäologischen und geschichtswissenschaftlichen Publikationen sollte für alle TeilnehmerInnen eine Selbstverständlichkeit sein.

•ein kreatives Projekt:Wir heißen außergewöhnliche Darstellungen herzlich willkommen und laden dazu ein, sich für dieses Projekt mit neuen Themenbereichen und Ideen zu beschäftigen und neue Aspekte der eigenen Darstellung kennen zu lernen, die idealerweise Anknüpfungspunkte in der oben genannten Fragestellung haben.

•aktives Engagement:Die Veranstaltungsteht und fällt mit Euch und Eurer Bereitschaft, Euch aktiv einzubringen. Das meint zum einen die Bereitschaft, mit-und voneinander zu lernen, Euch auch über Euer Darstellungs-Repertoire hinausauf das Veranstaltungsthema einzulassen, Euch an Vorträgen zu beteiligen, mit zu bloggen etc.pp

•fairer Umgang auf Augenhöhe:Uns alle verbindet die gleiche Motivation. Lebendige Geschichte interessant und vielschichtig darzustellen und zu vermitteln. Das schaffen wir nur, wenn wir einen fairen und freundlichen Umgang miteinander pflegen. Wir möchten konstruktive Diskussion ermöglichen, aber vor allem soll das Augenmerk auf gegenseitiger Unterstützung und Bereicherung liegen

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